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Spinnaker vor Rovinj: fast Mann über Bord
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Spinnaker vor Rovinj: fast Mann über Bord

Spinnaker vor Rovinj: fast Mann über Bord
Fr, 05.06. Mittag

Elf Knoten Wind von hinten, der Spinnaker steht zum ersten Mal – und dann rutscht Sebi auf dem nassen Vordeck aus und hängt am Karabiner über der Reling. Fünf Sekunden, die sich wie fünf Minuten ziehen.

19.7 km

Segeltörn Spinnaker Adria Istrien

Route – hier waren wir unterwegs

GPX-Karte 2009-06-05-12h-der-spinnaker
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Reisebericht

In der Tat – Sebi ist unten und holt den Spinnaker. Rund 11 bis 12 Knoten Wind von 180 Grad klingen vielversprechend. Kleines Problem bei dieser Art von Wind – die Strömung und somit die Welle kommen ebenfalls von hinten. Und die Welle ist deutlich schneller als die 4,5 Knoten, mit denen unser Motor das Schiff vorantreibt.

Somit werden wir stetig von der Welle überholt und das Schiff fängt an zu „rollen“. Dann kann man zwar gegensteuern, leider kommen zu diesen Wellen direkt von hinten zusätzlich noch Querwellen, die das Schiff dann manchmal kalt erwischen.

Zurück zum Spinnaker – die Herausforderung bei der Aktion: Maaf ist noch nie selbst Spinnaker gefahren, Sebi vor rund 10 bis 12 Jahren einmal mit seinen Eltern… Aber wir stellen uns ja jeder Challenge.

Nachdem die Seile und Tampen also korrekt befestigt und vorbereitet sind und das Fall-Seil auf der Winsch liegt, geht Sebi nach vorne und hakt den Spinnaker ins Fall-Seil ein, damit wir ihn hochziehen können. Bei dem Seegang zieht er sich besser die Schwimmweste an, und wir haken uns ordentlich ein, nicht dass noch etwas passiert. Nachdem ich das Steuer übernommen habe und Sebi auf dem Vorschiff rumturnt, Franzi die Backbord- und Maaf die Steuerbord-Leinen übernimmt, können wir den Spinnaker trimmen.

Der blau-gelb-rote Spinnaker steht prall vor dem Bug, aufgenommen aus dem Cockpit

Bei dem Wellengang ist es gar nicht so einfach, das Boot auf dem Wind-Kurs zu halten. Der muss ganz genau von hinten kommen. Zum Beispiel kommt eine Welle, das Boot dreht sich hinein, somit kommt der Wind von 160 Grad und der Spinnaker fällt ein. Dazu kommt noch der interessante Faktor, dass der Wind auch mal drehen kann. D. h. er kommt (trotz gleichbleibenden Kurses) auf einmal mit einer Böe von 15 bis 20 Grad mehr Steuerbord bzw. Backbord.

Ach ja – und dann gibt es noch diverse Hindernisse: andere Segelboote, Untiefen, Inseln, rund 150 Meter lange Tanker und so weiter. Nachdem wir den Spinnaker insgesamt vorbereitet haben, den korrekten Kurs haben und das Schiff halten können, gehen wir mit der Motor-Leistung runter, damit der relative Wind stärker in das Segel bläst. Dabei schaffen wir es in der Tat, den Spinnaker aufzustellen! Good Job!

Nach rund 10 Minuten Fahrt stellen wir dann fest, dass das Segel nicht ganz korrekt gesetzt ist, und wir versuchen erneut, es zu trimmen. Die See und der Wellengang haben zugenommen, der Wind wird böiger und die Fahrt unruhiger. Also geht Sebi noch einmal nach vorne, um zu trimmen. Natürlich hakt er sich auch jetzt wieder ein.

Blick durch ein Bullauge, vor dem gerade eine Welle zerstäubt

Zum Glück. Denn dann passiert es. Kaum ist er eingehakt, überholt uns wieder einmal eine Welle und ich muss gegensteuern. Genau in dem Moment kommt eine Querwelle und stößt das Boot in die andere Richtung. Sebi kann sich gerade noch so halten.

Das Boot liegt mit einer enormen Krängung nach Steuerbord im Wasser, da kommt eine zweite Querwelle. Sebi versucht noch, sich abzustoßen, rutscht dabei allerdings auf dem nassen Vordeck aus. Die ganze Aktion bis dahin dauert vielleicht 5 Sekunden, mir kommt es allerdings wie 5 Minuten vor. Nachdem Sebi ausgerutscht ist und sich nicht mehr halten kann, geht er über die Reling und wird nur noch durch den Karabiner und das dünne Stahlseil gehalten.

Maaf schießt direkt nach vorne, ich drehe das Boot in den Wind, damit es nicht mehr so rollt. Meine Hand liegt schon auf der Gangschaltung, damit ich direkt den Gang rausnehmen kann, sollten wir ein MOB-Manöver fahren müssen.

Aus eigener Kraft kann sich Sebi kaum ins Boot reinziehen. Maaf packt ihn dann an der Schwimmweste, und gemeinsam schaffen sie es, Sebi wieder an Bord zu holen. Glück gehabt – das hätte auch anders ausgehen können! Nach diesem Adrenalin-Stoß holen wir ganz schnell den Spinnaker ein, verstauen ihn durch die Luke im Vorschiff in der Koje von Franzi und Sebi und ruhen uns erst einmal achtern aus…


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