Es ist 8:30 Uhr, wir sitzen beim Frühstück, und mein Plan für heute ist überschaubar: wenig – nach gestern – für den Ammersee lieber einen Tag Pause. Dann sagt Sabrina, wenn wir zum Kloster Andechs wollen, dann heute. Ich denke mir nur: Wenn die Ansage schon von jemand anderem kommt und sich niemand beschwert, dann machen wir das auch heute.
Keine Stunde später sitzen wir in der Tram Richtung Hauptbahnhof. Ankommen tun wir dort nicht – gesperrt, Polizeieinsatz. Also zu Fuß weiter zum Stachus und von dort mit der S8 Richtung Herrsching. Eine gute Stunde in Richtung Alpen.
In Herrsching dann leichte Anlaufschwierigkeiten. Für die ersten 500 Meter brauchen wir 20 Minuten. Hier eine Cola, da ein Brötchen, dann Sonnencreme, dann noch schnell … na klar.
Danach wird es nicht besser. Der Weg in den Wald zieht sich, und die Sonne steht genau von vorn. 33 Grad. Wir nehmen jeden Schattenfleck mit, den der Weg hergibt, auch wenn wir dafür zig Mal die Seite wechseln.

Dann kommen die ersten Beschwerden. Wann sind wir endlich da. Wie weit ist es noch. Sind wir schon auf der Hälfte von der Hälfte? Ich bleib hier, sammelt mich später wieder ein. Und so weiter. Ich halte das aus und denke mir: Immerhin sind wir zu fünft unterwegs und wandern. Einen Berg. Hoch!
Unterwegs werden Stöcke gesammelt, durchgebrochen und zu Gehhilfen umgebaut. Dabei fällt der Name Ivy erstaunlich oft. Unser Labbi fehlt uns dann doch, auch wenn sie bei der Hitze zu Hause definitiv besser aufgehoben ist. Und Oma meistert das schon.
Ein wenig später der vorletzte Anstieg, die Treppen hoch. Ganz schön anstrengend – aber oben werden wir belohnt: der erste Blick auf das Kloster. Ein paar letzte Höhenmeter, dann stehen wir am Fuß von Andechs, laufen quer durch die Anlage und landen im Biergarten.

Die Getränke sind fair. 0,5 l für 4,50 €, mal fünf macht 22,50 €. Geht in Ordnung. Beim Essen wird es sportlicher: dreimal Pommes, weil die Kids alle riesigen Hunger haben, für Sabrina eine Ofenkartoffel, für mich ein Obazda mit Brezel. 47,50 €. Kaaaa-tsching! Ach ja, und Sabrina braucht noch einen Hut. 19 €.

Danach geht es wieder runter. Eigentlich wollten wir einen anderen, schöneren Weg mit Blick auf den Ammersee nehmen. Wir starten auch anders – und stellen nach kurzer Zeit fest, dass wir längst wieder auf demselben Pfad laufen wie bergauf. Egal. So wissen wir wenigstens, was auf uns zukommt.

Ein anderes Problem ist dringender. Ich habe morgens dreieinhalb bis vier Liter Wasser eingepackt, zweieinhalb davon planmäßig für mich. Ich bin davon ausgegangen, dass die anderen auch etwas dabeihaben. Fehlanzeige. Alle wollen von mir, und ich selbst trinke zu wenig. Irgendwann ist mein Mund trocken und meine Laune dünn.
Dabei geht es mir nicht ums Teilen. Es ist die Rechnerei: Trinke ich jetzt nichts, habe ich später Kopfschmerzen. Trinke ich später sehr viel, stehe ich in der S-Bahn alle zehn Minuten auf – und Toiletten gibt es dort nicht.
Zum Glück steht am Ende des Weges ein Verkaufsstand. Ein halber Liter, in einem Zug. Ein paar Meter weiter ein klimatisierter Container mit Selbstbedienung, in dem wir den Wasserhaushalt der ganzen Truppe noch einmal auffüllen.
Und keine paar Minuten später stehen wir wieder in Herrsching an der S-Bahn-Station. Nur: Der nächste Programmpunkt wartet schon. Der Ammersee ist nur wenige Meter entfernt.
Wasser gibt es dort reichlich. Diesmal muss es keiner tragen.








