Dialog im Dunkeln in der Speicherstadt

Dialog im Dunkeln in der Speicherstadt

Dialog im Dunkeln in der Speicherstadt
Do, 02.04. Vormittag

Eine Stunde ohne Augen: Brille abgeben, Blindenstock in die Hand, und dann durch Wohnung, Straße und Ampel tasten. Am Ende kaufen wir in der Dunkelbar eine Wundertüte und vertrauen darauf, dass das Wechselgeld stimmt.

hike • 1.93 km


Route – hier waren wir unterwegs

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Reisebericht

Heute starten wir entspannter. Sabrina weiß inzwischen, wo es hingeht. Und die Kinder wissen, was es zum Frühstück gibt. Vor allem wissen sie, was es nicht gibt.

Danach wird nicht mehr lange getrödelt. Rein in die U-Bahn, Richtung Speicherstadt. Dort steht das erste Highlight des Tages: das Dialoghaus mit dem Dialog im Dunkeln. Einmal so fühlen, wie blinde Menschen sich dauernd fühlen. Etwas Ähnliches kenne ich schon – Dialog im Stillen, damals mit der Firma. Da ging es um gehörlose Menschen.

Die Führung ist im Vorfeld gebucht, und es geht pünktlich los. 10:20 Uhr. Wir müssen sämtliche Lichtquellen abgeben. Auch die Brille. Originalton: „Brauchen Sie nicht, es ist sehr dunkel.” Dann eine kurze Einweisung in den Blindenstock, und schon sind wir drin.

Roter Eingang zur Ausstellung Dialog im Dunkeln mit Brailleschrift an der Wand, dahinter eine offene, komplett schwarze Tür

Es ist wirklich nichts mehr zu sehen. Nicht dunkel wie nachts im Schlafzimmer. Einfach nichts. Wir orientieren uns mit dem Stock, mit den Händen, mit der Nase, mit den Ohren. Und mit dem Mund: Wir müssen sprechen. Wer schweigt, ist weg.

Ein komplett schwarzes Foto – mehr ist aus dem Inneren der Ausstellung nicht mitzunehmen

Die Frau, die uns führt, ist selbst eingeschränkt. Sie bringt uns sicherer durch diesen Parcours, als wir uns an einem hellen Tag durch die Speicherstadt bewegen. Erst leichtes Gelände, dann direkt eine Wackelbrücke. Danach eine Wohnung, 40 m² groß. Wir dürfen ertasten, was darin steht. Bett, Toaster, Fernseher, Computer, Schränke. Alles Neuland.

Dann geht es „raus”. Aus der Wohnung auf „die Straße”, natürlich alles simuliert. Ein Roller steht da, eine Ente, und dann kommt eine Ampel. Deren Drücker muss man erst einmal finden. Erst wenn er vibriert und einen anderen Ton von sich gibt, geht es weiter. Den Bordstein hinunter.

So geht es weiter und weiter. Nach gefühlten 20 Minuten sind die 45 Minuten Führung auch schon rum.

Zum Schluss die Dunkelbar. Hier kaufen wir mit echtem Geld etwas zu essen und zu trinken. Wir entscheiden uns für eine Wundertüte mit Süßigkeiten, und ich vertraue einfach darauf, dass das Wechselgeld passt. Auch eine Art Vertrauensbeweis. Dann ertasten und erschmecken wir, was wir uns da gerade in den Mund stecken.

Zurück ins Helle geht es nicht sofort. Zehn Minuten Halbdunkel sind Pflicht, sonst erschlägt einen das Sonnenlicht.

Bunt umrahmter Schriftzug Dialoghaus Hamburg auf der Glasscheibe, dahinter spiegelt sich die Speicherstadt

Draußen fällt mir als Erstes auf, wie sehr die Stadt stinkt. Unglaublich, wie schnell Körper und Kopf umschalten. Eine gute Stunde ohne Augen, und alle anderen Sinne laufen auf Anschlag.

Danke für dieses Erlebnis. Ich hätte nur nicht gedacht, dass ausgerechnet die Nase am meisten dazulernt.


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