Die Nacht war komisch. Ben Luis träumt irgendwas und weckt mich um zwei Uhr. Aus Versehen. Aber dann ist mein Kopf an. Die acht Stunden Rückfahrt stehen ja noch bevor. Ich wälze mich rum, versuche runterzukommen. Bis kurz vor vier geht gar nichts. Irgendwann schlafe ich doch noch ein.
Um halb sieben bin ich trotzdem wieder wach. Mit Kopfschmerzen. Ich entscheide mich für frische Luft. Eine Runde durch Seefeld, einfach mal raus. Keine zehn Minuten später gibt’s die erste Überraschung: Schnee. Es schneit. Mein erstes White Christmas seit einer Ewigkeit. Kindheitsgefühle kommen hoch. Ich stapfe durch den Schnee, mache hier ein Foto, da ein Foto. Die Schneeflocken im Gesicht fühlen sich gut an. Der Kopf wird frei. Die minus sechs Grad tun richtig gut.

Downtown Seefeld bei Nacht und Schnee fühlt sich einsam an. Verlassen. Zwei Busse fahren vorbei, drei LKWs, ein Auto. Aber ich sehe auch viele Menschen, die sich genauso über den Schnee freuen wie ich. Kurz vor dem Hotel kommt mir Sabrina entgegen. Sie erzählt mir, dass die Kids auch schon wach waren und mich entdeckt haben. „Guck mal, der geht genauso wie Papa. Und bleibt stehen. Und macht Fotos. Das IST Papa!”

Dann noch schnell die letzten Sachen gepackt und ab zum Frühstück. Das nächste Highlight. Lachs am Heiligen Morgen hatte ich auch noch nie. Sehr lecker. Omelette und Milchkaffee heute einmal. Und dann heißt es Abschied nehmen. „Auf bald!”, sagen wir. An der Rezeption versichern sie uns: Wir dürfen gerne wiederkommen.
Um kurz vor neun fahren wir los. Die Straßen sind leer. Trotzdem schickt uns das Navi über – Trommelwirbel – München. Das nächste Highlight am Tag. Hier haben wir fünf beziehungsweise acht Jahre lang gelebt und gearbeitet. Wir waren lange nicht mehr hier. Und fahren mitten durch die Stadt, über den Mittleren Ring. An unseren früheren Arbeitsstätten vorbei, am Olympiapark und an der Allianz Arena. Der Rest der Fahrt bis Nürnberg vergeht wie im Flug. Kein Wunder, Sabrina fährt ja auch.
Und dann kommt das nächste Highlight. Für die Kids. Meine Kollegen fragten noch im letzten Meeting, was es denn alles so zu essen gibt an Weihnachten. Und ich sagte noch: „Hoffentlich kein McDonald’s!” Und nun ratet mal, wo wir landen. McDonald’s Feuchtwangen an der A9. Naja, die Kids freut’s. Und ich freue mich über einen Kaffee.
Jetzt, wo ich das hier schreibe, stehen nur noch zwei Stunden Restreisedauer auf dem Navi. Alle freuen sich auf Ivy. Die fragt sich bestimmt auch schon, wo wir so bleiben. Und dann ist ja auch Heiligabend. Ein anderer, als wir jemals erlebt haben. Mal schauen, ob das Christkind heute auch kommt.


