Vier Uhr morgens. Nicht mal die Vögel hatten Lust, aufzustehen, aber ich lag wach wie nach drei doppelten Espressi. Also erst ein bisschen durchs Haus getigert, hier was verrückt, da was umgestellt – und dann die Eingebung: raus. Der Hund, seit ein paar Tagen bekennender Jogging-Verweigerer, guckte mich skeptisch an. Heute kein Gehetze, nur Wandern, schwor ich ihm. Die Konsequenz: Ich trug den 30-Kilo-Labrador zum Auto. Er sah aus wie ein leicht genervter König auf seiner Sänfte.
Zehn Minuten später standen wir am Strand. Sand unter den Schuhen, kühle Luft, das Meer noch halb im Schlaf. Er rein ins Wasser, ich hoch auf den Hügel – mit Blick zurück auf Bucht und Wellen. Wir trafen keinen Menschen, nur Möwen, die uns beäugten wie Dorfpolizisten. Oben kurz stehen geblieben, tief durchgeatmet. Kopf frei, Herz ruhig.
Der Rückweg ging schneller. Zuhause wartet der Kaffee, der heute mehr Überlebenshilfe als Genuss ist. Familienfrühstück, Strandtag, volles Programm. Aber für eine Stunde heute Morgen gehörte die Welt nur uns beiden – und dem Meer.





