Start nach dem Nationalpark
Die erste Stunde nach dem Nationalpark ist langweilig. Andreas schläft auf dem Beifahrersitz tief und fest, und im Radio läuft Musik von David Garrett. Die Geräusche am Auto werden immer lauter, was mich beunruhigt. Es klingt nach Bremsscheiben, die schleifen. Ich lasse den Wagen am Straßenrand ausrollen, nehme meine Wasserflasche und kippe einen Schwall durch die Felge. Es zischt und dampft. Okay, es sind die Bremsscheiben. Gut, dass wir nur noch 250 km bis zum nächsten Ort fahren müssen.

Canyon und Wind
Keine 50 km später ändert sich die Landschaft. Berge tauchen vor uns auf, und ich frage mich, ob wir da wirklich durch müssen. Mit der Garden Route habe ich mich bislang nicht beschäftigt, aber mein Gefühl sagt: “Über diese Berge musst du drüber.” Und so ist es auch. Vor uns öffnet sich eine Schlucht, die zu einem Canyon wird, rechts und links türmen sich Felsformationen auf. Es geht steil hinauf, ungefähr 800 m. Durch den Canyon bläst der Wind mit etwa 4 bis 5 Windstärken, wir halten an und ich bekomme kaum die Tür auf. Eine tolle Kulisse. Andreas, mittlerweile wieder wach, ist überzeugt, dass sich der Umweg zur Garden Route bereits jetzt bezahlt macht. Ganz sicher bin ich mir dazu noch nicht.

Pass und heiße Bremsen
Der Canyon endet, und der Straßenverlauf ist wieder wie gewöhnlich einsehbar, zumindest für die nächsten 20 km. Es geht einfach nur geradeaus, bis am Horizont klar wird, dass die Straße in die Berge führt. Dort schrauben wir uns die Serpentinen hinauf, soweit so gut. Allerdings weiß ich, dass unser Ziel Knysna am Meer liegt, und das bedeutet: Alles, was wir an Höhenmetern gewinnen, müssen wir wieder hinunterfahren. Und das mit Bremsscheiben, die schon jetzt verdächtig klingen. Nach 950 Höhenmetern ist der Pass erreicht, und die Schilder, dass schwere Fahrzeuge niedrige Gänge einlegen sollen, beruhigen und beunruhigen mich zugleich. Zum einen ist es nicht so steil, dass die Strecke für schwere Fahrzeuge gesperrt ist, zum anderen geht es steil genug abwärts, dass man die kleinen Gänge wirklich braucht. Vor meinem inneren Auge laufen die Mathestunden bei Herrn Jansen zur Tangentenrechnung noch einmal ab, während ich mir einrede, dass nichts passieren kann, solange wir nicht bremsen. “Nicht bremsen”, alles klar, ich gebe mein Bestes. Im zweiten Gang tuckern wir den Pass hinunter und nehmen jeden Rastplatz mit, um alles abkühlen zu lassen, was warm geworden ist. Zwanzig Minuten später können wir wieder sagen: “Alles ist gut!”

Ankunft in Wilderness
Unten angekommen fahren wir bis nach George, oder eher durch den industriell angehauchten Ort hindurch, und weiter nach Wilderness. Dort finden wir einen sehr idyllischen Campingplatz und sind froh, noch im letzten Tageslicht anzukommen. Leider ist das Bier nicht kaltgestellt, sodass wir die letzten Weinreste, etwa anderthalb Flaschen, austrinken.




