Früher Start
“Riiiiing, riiiiiing”. Der Wecker geht, ich schaue auf die Uhr und glaube meinen Augen nicht: 3:40 deutscher Zeit. Zähneknirschend stehe ich auf und schleppe mich Richtung Waschraum. Wir müssen um Punkt 5 Uhr am anderen Gate stehen, also bleiben 15 Minuten, denn wir sind eine Stunde voraus. Ich klappe das Zelt schnell zusammen, stopfe alles so gut es geht zusammen und versuche dabei, wach zu werden. Um Punkt 5:01 stehen wir mit vier anderen Autos am Gate und geben unsere Reisepässe ab. Cool, wir sind drin.
Die Fahrt zu den Parkplätzen
Die 60 Kilometer bis zum ersten Parkplatz fühlen sich seltsam an. Es ist noch dunkel, und die Sonne geht hinten links auf. Wir dürfen nur 60 km/h fahren, daran hält sich aber niemand. Unsere Kolonne nähert sich eher mit 110 km/h dem ersten Parkplatz, als wäre das Tempolimit nur ein Vorschlag. Zwei Autos bleiben hier stehen, aber Bush Baby hat Allrad und wir dürfen weiter. Ich steuere den Wagen souverän durch die tiefen Sandpassagen. Am letzten Parkplatz sind wir zusammen mit einem französischen Pärchen als Erste.

Aufstieg und Sonnenaufgang
Wir packen schnell die Ausrüstung und den Rucksack und machen uns an den Aufstieg zur Sossusvlei-Düne. Die Sonne rückt näher, und mit jedem Schritt wächst die Spannung, als würde der Morgen kurz den Atem anhalten. Auf halber Höhe bricht sie durch und steht plötzlich da.

Ein wahnsinnig schöner Moment, der alles in zwei Welten teilt: auf der einen Seite leuchtendes Rostrot, auf der anderen tiefe, fast schwarze Schatten. Ich kämpfe mich Schritt für Schritt über den Kamm nach oben, und die Schuhe werden spürbar schwerer. Mit jedem Tritt laufen sie ein Stück weiter voll, und der Aufstieg fühlt sich an wie Arbeit und Geschenk zugleich.

Wind, Weite und ein Sprung in den Sand
Oben ziehe ich die Schuhe aus und kippe gefühlt zwei Kilogramm Sand heraus. Der Ausblick ist phänomenal, und gleichzeitig drückt der Wind unerbittlich, weil er den Sand die Düne hinauf direkt in unser Gesicht bläst. Nach wenigen Minuten ist er überall, und ich frage mich, was meine Kamera davon hält, also packe ich sie so schnell wie möglich in den Rucksack.

Wir genießen gut eine Stunde die Morgenluft, die Weite und das Licht, das die Landschaft weichzeichnet. Dann kommt der Gedanke, mich einfach rollen zu lassen, und ich ziehe T-Shirt aus, setze die Brille ab und schmeiße mich in den Sand. Was für ein Gefühl! Ich rutsche nicht die ganze Düne hinab, sondern Richtung eines Hochplateaus, das reicht schon, um mich komplett wachzurütteln. Ich stehe auf, kippe direkt wieder um, mache das Spiel noch einmal und dann klappt es wieder mit dem Laufen.

















