Entscheidung für die Nachtfahrt
Auf dem Weg nach Sossusvlei wollen wir eigentlich irgendwo übernachten. Nach einer kurzen Kalkulation aus Reststrecke, Sonnenuntergang und Blauer Stunde entscheiden wir uns, bis nach Sesriem durchzufahren, dem letzten Ort vor Sossusvlei. Die Rechnung wirkt zunächst solide, bis uns auffällt, was darin fehlt. Wir planen keine Fotostopps für Sonnenuntergang und Blaue Stunde ein. So bleiben am Ende knappe 20 km, die wir im Dunkeln fahren müssen.

Schotterpiste im Dunkeln
Die Schotterpiste macht nachts null Spaß. Überall sind Bodenwellen, die wir zu spät sehen, und immer wieder rennen Tiere über die Straße. Dazu kommen Schlaglöcher, denen wir spontan ausweichen, obwohl wir genau das vermeiden wollen. Wenn Gegenverkehr auftaucht, wirbelt er Staub ohne Ende auf, und das ist schlimmer als dichter Nebel. Wir reduzieren die Geschwindigkeit auf maximal 40 km/h und rollen langsam und vorsichtig nach Sesriem. Nachtfahrten sind für uns unterm Strich keine schöne Sache, sehr anstrengend und auf Schotter unbedingt zu vermeiden. Die “B”-Straßen sind meist besser ausgebaut und eingezäunt, dort sind weniger Menschen unterwegs, und selten steht etwas Unerwartetes am Rand oder auf der Fahrbahn.

Sesriem: verschlossene Tore und schnelle Verhandlung
Relativ angespannt kommen wir in Sesriem an und stehen vor verschlossenem Tor. Mist, wir kommen anscheinend nicht rein. Und selbst wenn wir drin wären, brauchen wir noch eine Erlaubnis, um morgen früh um 5:00 Uhr zur Düne zu fahren, die es offiziell erst ab 8:00 Uhr gibt. Wir suchen den Fehler und fangen an zu argumentieren, mit Reifenproblemen, dem Druck, morgen weiterzumüssen, und der Sorge, sonst den Flieger zu verpassen. Der Wachposten erklärt gleichzeitig, dass er Ärger bekommen kann, und erwähnt das “Overflow-Campground” für Spätankömmlinge. Dann kommt die Frage auf, ob wir etwas für ihn und sein Gewissen tun können. Kurz darauf öffnet sich das Tor, und bei mir bleibt ein nachdenklicher Nachklang, wie schnell Regeln in Verhandlungen kippen können. Er versichert uns außerdem, dass er mit dem zweiten Gate spricht, dort geben wir den Pass ab und zahlen beim Rausfahren.
