Grenze Südafrika–Namibia: Warum genau drei Flaschen Wein?

Grenze Südafrika–Namibia: Warum genau drei Flaschen Wein?

Grenze Südafrika–Namibia: Warum genau drei Flaschen Wein?
Fr, 16.10. Abend

Am staubigen Grenzübergang nach Namibia prallen Formalitäten und Absurdität aufeinander: trockene Fragen, nervöse Blicke, drei Flaschen zu viel. Am Ende zählt Gelassenheit – und ein Lachen, das Schlagbäume und Kilometer ein wenig leichter macht.

Namibia Grenze Fish River Canyon Ais-Ais Hot Springs

Route – hier waren wir unterwegs

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Reisebericht

Am Grenzübergang

Es ist etwa 20 Uhr. Das Tageslicht ist fast verschwunden. Der Kilometerzähler zeigt rund 800 km. Wir stehen an der Grenze zu Namibia. Andreas wird auf den letzten Kilometern merklich nervös. So ein Grenzübertritt – da muss man Dinge vielleicht verzollen. Und wir haben bereits für die nächsten Tage eingekauft. Der Officer an der Straße bittet uns, das Auto zu verlassen und erst in Office 1, dann in Office 2 und anschließend in Office 4 zu gehen. Die Dame in Office 1 ist mir sehr sympathisch. Sie spricht kein Wort mit uns, nimmt nur unsere Pässe, macht etwas am Computer, drückt einen Stempel in den Pass – und das war’s. Eine Armbewegung nach links lässt uns schließen, dass Office 1 erledigt ist und Office 2 an der Reihe ist.

Sunset

Customs und die drei Flaschen

Office 2: Customs. Die erste Frage lautet, ob wir etwas zu verzollen haben. Die klare Antwort: “Nein.” Die nächste Frage: “Sicher?” Die Antwort wird zögerlicher: “Äh, was muss man denn verzollen?” Es folgt eine kurze Aufklärung dazu, was ausgeführt werden darf, gefolgt von: “Wie viel Alkohol habt ihr dabei?” Ich beginne zu zählen: “Hmm, 6 Dosen Windhoek Lager, … und noch einmal 6 Dosen Windhoek Lager, … [Pause] … und drei Flaschen Wein.” Daraufhin werde ich unterbrochen: “Stopp, warum genau drei Flaschen – ihr seid nur zu zweit?” Oh Mann, denkt der Beamte, wir wollen die eine Flasche verkaufen? Und warum ist das überhaupt wichtig, wir verlassen doch ein Land; Einfuhrzoll kann ich verstehen, aber Ausfuhr? Ich möchte ungehalten werden, aber das bringt uns nicht weiter, zumindest nicht Richtung Namibia. Also bleibe ich bei der Wahrheit und stammle: “Das ist eine Flasche Shiraz, ein Cabernet und ein Merlot. Wir wollen alles mal ausprobieren!” Ich merke, wie mich der Beamte von oben bis unten mustert – und wahrscheinlich denkt, wie durchgeknallt die beiden Typen eigentlich sind. So eine Geschichte hat er vermutlich noch nie gehört.

Weiter nach Namibia

Wir bekommen eine Belehrung, dass pro Person nur genau eine Flasche Wein erlaubt ist und wir uns das merken sollen. Vermutlich hat er auch keine Lust auf weitere Geschichten. Wir sind in jedem Fall froh, dass er unsere Erzählungen unterbrochen hat, und müssen so erst gar nicht von unserem Dubai-Zwischenstopp erzählen. Office 4 ist harmlos: ein Stempel bestätigt, dass wir alle anderen Stempel haben, und das war’s. Wir dürfen weiterfahren. Zuvor kontrollieren wir die Pässe und stellen “im Nichts” hinter der Grenze fest, dass der Einreisestempel fehlt. Wir sind verunsichert, diskutieren gereizt und überfahren dabei fast die namibische Grenzkontrolle. Geschockt und zugleich erleichtert steigen wir aus und sind gespannt, was wir hier nun verzollen müssen. Gar nichts: Wir geben zweimal Adressen an, zahlen Straßengebühren – und das war’s. Wir dürfen weiterfahren, und das tun wir auch. Die Straßen sind menschenleer: keine Menschentrauben, auch keine Autowracks. Also entscheiden wir uns, zum Fish River Canyon zu fahren und dort zu übernachten. Tatsächlich schaffen wir es noch bis zum Ais-Ais Hot Springs Campground.

Angekommen

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