Clearwater Lake: Kanutour im Wells Gray Park

Clearwater Lake: Kanutour im Wells Gray Park

Clearwater Lake: Kanutour im Wells Gray Park
Di, 27.06. Nachmittag

Am Clearwater Lake wird ein ganzer Nachmittag zum Paddeltest: Rückenwind, dann harter Gegenwind, Kreise drehende Kanus und eine knappe Pause am schmalen Strand. Am Ende gibt es die erlösende Anlegestelle, ein Sprung ins kalte Wasser, später Helmcken Falls und ein Ranch-Saloon.

Clearwater Lake Wells Gray Kanutour Helmcken Falls Ranch-Saloon

Route – hier waren wir unterwegs

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Reisebericht

Kanu leihen und aufs Wasser

Ankunft am Clearwater Lake und Weg zum Kanuverleih
Unser nächstes Ziel ist der Clearwater Lake. Hier wollen wir ein Kanu mieten und ein wenig über den See schippern. Wir übersehen erst einmal alle Schilder und fahren bis zum kompletten Ende der Straße zum Boat-Launch. Irgendwann entdecken wir dann doch die Kanu-Verleih-Station. Sie liegt direkt an einem reißenden Fluss, und dahinter rauschen sogar Wasserfälle. Sabrina ist sofort begeistert, und ich kann kaum glauben, dass man uns dort einfach losschicken soll.

Nach einem kurzen Gespräch ist aber klar: Hier leihen und bezahlen wir nur Kanu und Ausrüstung, die Boote selbst liegen am Ende der Straße, genau dort, wo wir eben schon waren. Diesmal zahlen wir nicht 38 $, sondern 40 $, dafür steht uns das Kanu einen ganzen Tag zur Verfügung und nicht nur eine Stunde wie am Lake Louise. Der Vermieter ist wirklich nett. Er weist uns auf ein paar Kleinigkeiten hin und gibt uns Routentipps. Die sind ehrlich gesagt nicht schwer: zwei Stunden in eine Richtung, dann einmal über den See und zwei Stunden zurück in die andere.

Kanu am Ufer des Clearwater Lake

Mit dem Ausleihen klappt alles, und das Boot bekommen wir auch problemlos zu Wasser gelassen. Wir packen unsere sieben Sachen, sortieren die Ausrüstung und dann geht es los. Der Start ist leicht, und wir kommen schnell in einen Rhythmus. Wir haben Rückenwind, die Wellen sind schon etwa 30 cm hoch, und trotzdem kommen wir richtig gut voran. Nach der ersten Überquerung sehen wir einen Campground. Dort gibt es Plätze, die man nur mit dem Kanu erreichen kann, und das finde ich ziemlich cool.

Rückenwind, Campground und Segelversuch

Blick auf Berge und Gletscherlandschaft am See
Kurz nach dem Campground erreichen wir eine Stelle, an der wir einen tollen Blick in die Berge und auf die Gletscherlandschaft haben. Das ist wirklich schön, und wir genießen das eine Weile. Irgendwann frischt der Wind noch einmal auf, und ich habe keine Lust mehr zu paddeln. Also nehme ich unser großes Badehandtuch, fixiere es mit den Füßen am Kanu und halte es mit beiden Händen in die Luft. Für ein paar Meter segeln wir tatsächlich, und ich bin begeistert. Das Kanu dreht sich dabei nicht sofort in den Wind, und genau das überrascht mich.

Dann kommt mir aber ein Gedanke, der die gute Laune kurz ausbremst. Rückenwind auf dem Hinweg bedeutet in der Regel Gegenwind auf dem Rückweg. Mist. Also paddeln wir wie empfohlen wieder über den See auf die andere Seite, dicht ans Ufer. Dort entdecke ich schon ein anderes Kanu, das ständig Kreise fährt. Ich denke zuerst, die schauen sich etwas am Land an, aber das Bild passt nicht so richtig.

Gegenwind, Pause und Ankunft

Gegenwindzone hinter einer Landzunge am Clearwater Lake
Als wir durch die Wellenberge und hinter der Landzunge am anderen Ufer ankommen, merken wir, was los ist. Der Wind beschleunigt sich hinter der vermeintlichen Landzunge noch einmal. Plötzlich ist es deutlich anstrengender, das Kanu in einer Linie zu halten. Jetzt verstehe ich auch, warum sich das andere Kanu immer wieder dreht. Ein Kanu ist nämlich extrem windanfällig. Entweder lässt man sich treiben und das Kanu dreht sich parallel zum Wind, oder man richtet es orthogonal aus, also mit der Spitze genau in den Wind, und hält es dort.

Das ist leichter geschrieben als getan. Der Wind dreht nämlich, und sobald er das Kanu nur ein wenig von der Breitseite erwischt, kostet es enorm viel Kraft, den Kahn wieder sauber in den Wind zu drehen. Die Mädels im anderen Kanu schaffen das nicht immer und drehen sich fröhlich im Kreis. Es ist echt ärgerlich, wenn man gegen den Wind 30 m weit kommt, der Wind dann dreht und man beim Korrigieren wieder 25 m zurückgetrieben wird. Bei uns ist das nicht anders, nur dass ich hinten sitze und ständig gegensteuern muss. Hinten kann man besser steuern, aber das macht es auch nicht weniger anstrengend. Irgendwann lassen meine Kräfte nach, und wir brauchen dringend eine Pause.

Schmaler Sandstreifen als Pause am Ufer
Am durchgehend hügeligen Ufer entdecken wir einen “Sandstrand”, gerade einmal etwa 90 cm breit, und steuern ihn an. Dort kommen später auch die beiden Schweizer Mädels an. Wir teilen uns die ungefähr 8 m x 0,9 m Strand, machen noch ein paar Fotos und sammeln kurz Energie. Dann geht es wieder aufs Wasser, Richtung Anlegestelle. Das fiese dabei ist die Kombination: keine Wolken am Himmel, die Sonne spiegelt sich im Wasser, und die Hitze steht plötzlich da, trotz heftigem Gegenwind. Wir passen auf, dass wir genug trinken, und spritzen uns immer wieder mit dem kühlen Wasser ab. So halten wir bis zum nächsten Anleger durch.

Anleger und kurzer Stopp am Steg

Dort gehen wir an Land und hoffen, dass es bis zu unserem Anleger nicht mehr weit ist. Den Campground, den wir auf der anderen Seite ansteuern wollten, entdecken wir nicht wieder. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir noch ungefähr zehn Buchten gegen den Wind vor uns haben. Wir machen das Boot am Steg fest, um aus der Sonne zu kommen. Am Rand entdecken wir nämlich Wald. Endlich ein bisschen Schatten.

Pause im Schatten am Waldrand
Im Schatten macht Sabrina erst einmal den Rest ihres Schokoladenkuchens nieder. Bei Schütz in New Jersey vor vier Jahren nennen wir das immer “Death by Chocolate”. Nach so einem Ding fühlt man sich schon ziemlich platt. Arbeiten fällt dann zumindest seeeehr schwer. Irgendwann kommt ein Pärchen vorbei, mit einem kleinen Hund. Sie schicken ihn erst einmal ins Wasser, damit er nicht überhitzt, und ich denke: “Cool. Das sollte Sabrina mit mir auch einmal machen.” Insgeheim habe ich da schon einen Plan für die Ankunft an unserem Steg.

Wir kommen ins Gespräch, und die beiden wissen sogar, wo wir sind. Das klingt erst super, bis sie sagen, wir seien am Boat-Launch, also genau dort, wo private Boote zu Wasser gelassen werden. Genau dort, wo wir uns am Anfang hin “verfahren” haben. Ich zähle schnell eins und eins zusammen und komme darauf, dass unser Anleger in der nächsten Bucht sein muss. Also jage ich Sabrina wieder ins Boot, wir packen unsere Sachen und paddeln erneut los, immer gegen den Wind. Diesmal ist es mehr Kopf als Strecke, aber wir ziehen es durch.

Sprung ins kalte Wasser am Steg
Und tatsächlich: Nach der nächsten Bucht ist der Anleger schon da. Eine halbe Stunde Pause wegen fünf Minuten paddeln, aber egal. Dafür lernen wir den netten Hund kennen und das Prinzip der Abkühlung. Und genau das wende ich als Nächstes an. Ich weiß, dass der See schweinekalt ist, aber nach diesen Strapazen ist mir das völlig egal. Ich nehme kurz Anlauf, springe ab und tauche mit Schwung in etwa 10 Grad kaltes Wasser.

Das ist auch das Letzte, an das ich mich in diesem Moment klar erinnere. Danach bin ich nur noch damit beschäftigt, wieder auf den Steg zu klettern. Fazit: Das tut richtig gut. Es ist zwar echt kalt, und man will nicht lange drin bleiben. Aber es ist absolut erfrischend und eine echte Wohltat.

Kanu an Land ziehen nach der Tour
Als Nächstes müssen wir das Kanu noch schnell an Land bringen. Zum Glück hilft uns ein ostdeutsches Paar, sodass wir es nicht allein herausziehen müssen. Danach fahren wir zur Ausleih-Station zurück. Wir geben Paddel, Schwimmwesten und den Rest der Ausrüstung ab. Der Typ grinst ein wenig verschämt, so nach dem Motto: “Ich habe schon gehört, dass es ein wenig windig war.” Wahrscheinlich hat er die Schweizer Mädels zuvor getroffen und sich etwas anhören müssen.

Helmcken Falls und Ranch-Saloon

Helmcken Falls im Wells Gray Park
Auf dem Rückweg fahren wir noch an den Helmcken Falls vorbei. Das sollen mit die größten Wasserfälle in Kanada oder so sein. Der ganze Größenvergleich ist ohnehin so eine Sache. Ich frage mich dabei kurz: “Was ist die größte Stadt der Welt?” Meine Antwort wäre: “Clearwater, B.C., Canada”, man muss nur die Mücken pro Kubikmeter zugrunde legen, dann passt es. Die Helmcken Falls sind jedenfalls wirklich beeindruckend. Sie wirken ausgehöhlt, und das Wasser stürzt mit Macht in die Tiefe. Wir finden sie spontan schöner als einige Wasserfälle, die wir vorher gesehen haben, etwa die Athabasca Falls. Ich könnte mir das ewig ansehen.

Straße zurück Richtung Clearwater
Auf den restlichen 50 km aus dem Park heraus zurück nach Clearwater, wo wir übernachten, wollen wir noch irgendwo essen gehen. Sabrina hat auf dem Hinweg einen kleinen Saloon gesehen, den sie schon im Kopf hat. Also fahren wir weiter und weiter, bis wir an dieser Ranch mit dem Saloon vorbeikommen. Wir halten kurz an und gehen rein. Das Essen sieht richtig lecker aus. Es gibt heute ein Special mit Buffet, das die Familie von der Ranch selbst gemacht hat.

Ranch-Saloon mit Buffet-Angebot
Sehr auffällig sind auch die ganzen Deutschen, die dort sitzen und essen. So viele Deutsche wie in diesem Park sehe ich das letzte Mal in Deutschland. Sonst fallen mir hier vor allem die großen Reisegruppen auf, die man einfach schnell bemerkt. Das Buffet hält, was es verspricht. Es schmeckt wirklich so gut, wie es aussieht. Viel länger bleiben wir trotzdem nicht. Wir sind einfach durch vom See und vom Wind.

Essen im Ranch-Saloon

Pferde im Hinterhof der Ranch
Wir gehen noch kurz in den Hinterhof des Saloons, und ja: Es ist tatsächlich eine Ranch. Wir sehen den Pferden beim Grasen zu und lassen den Tag ein bisschen sacken. Auf dem Rückweg gibt es noch etwas Wildlife zu sehen, aber nichts Spektakuläres. Viel kann ich von der Fahrt ohnehin nicht berichten. Nach der siebten Kurve schlafe ich ein. Sabrina zum Glück nicht. Im Motel setzt sie sich später noch hin und schreibt Postkarten.


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