Brillenstart und wenig Elan
Dieser Morgen fängt besonders unglücklich an. Ich trete auf meine Brille, die in der Nacht den Weg auf den Boden findet. Auf meine teure 75-Euro-Brille, die ich mir damals in China gekauft habe. Sie ist komplett verbogen, und ich sehe mich schon für den Rest des Urlaubs mit Sonnenbrille herumlaufen. Am Ende bekomme ich sie aber wieder ungefähr in ihre ursprüngliche Form gebogen, auch wenn das alles andere als elegant aussieht.

Der Tag läuft danach nicht runder. Wir sind beide nicht gut drauf und versuchen uns gegenseitig aus dem Zimmer zu treiben, aber selbst dafür fehlt uns der Schwung. Vielleicht liegt es daran, dass ich erst um 0:30 Uhr im Bett bin. Entsprechend stutzen wir das Programm für heute zusammen. Statt großer Pläne nehmen wir uns nur das vor, was wir wirklich schaffen wollen, ohne uns zu stressen.

Aufstieg zur Moräne
Unser erstes Ziel ist eine Tour am Fuß des Bergs “Mt. Edith Cavell”. Das ist der größte Berg im Jasper Nationalpark, und er wirkt auf den ersten Blick tatsächlich ziemlich majestätisch. Kurz unterhalb des Gipfels liegt ein Gletscher, der so viel Eis produziert, dass immer wieder Brocken ins Tal fallen. Dadurch bildet sich unten ein weiterer Gletscher, der sich über die Jahre jedoch etwas zurückbildet. Zurück bleibt eine riesige Moräne, und genau in diese führt ein Trail, den wir gehen.
Eisbruch und der plötzliche Wasserabgang
Die Strecke ist beeindruckend. Zuerst steigen wir etwa 50 Höhenmeter und laufen am Rand der Moräne entlang. Von hier oben schauen wir “ins Tal”, dorthin, wo der Gletscher früher einmal liegt. Ein Stück weiter geht es noch einmal etwas höher, und der Blick wird noch weiter. Wir folgen dem Weg nur einige hundert Meter, weil er danach in einen Wald mit vielen Moskitos führt, in dem wir nicht lange bleiben wollen.

Von dort oben beobachten wir einen lawinenartigen Wasserabgang. Hinter dem Eis des Gletschers am Mt. Edith Cavell hat sich anscheinend eine Wasserhöhle gebildet, die plötzlich platzt und als Wasserfall hinunterstürzt. Diese immensen Wassermassen knallen etwa 400–700 m nach unten und laufen in den See, der dort bereits liegt. Das Spektakel ist schnell vorbei, aber der Moment bleibt hängen, weil es so unerwartet kommt.

Mit Abstand am See und weiter zu den Five Lakes
Wir gehen danach ebenfalls zum See, natürlich mit sicherem Abstand zu der Stelle, an der das Wasser herunterkommt. Zwischen uns und dem Wasserfall liegen zu dem Zeitpunkt noch etwa 500 m, und als wir ankommen, ist er bereits wieder verschwunden. Auf dem Weg hören wir immer wieder lautes Knallen, als würde irgendwo etwas brechen. Das kommt aus den Bergen, und wir sehen in der Entfernung zwar nichts, das wie eine Lawine aussieht, aber das Geräusch reicht, um aufmerksam zu bleiben. Auch die anderen Leute am See können nichts Konkretes erkennen, trotzdem halten wir uns nicht













