Icefields Parkway: Peyto Lake bis Columbia Icefield

Icefields Parkway: Peyto Lake bis Columbia Icefield

Icefields Parkway: Peyto Lake bis Columbia Icefield
So, 25.06. Mittag

Mittags rollen wir auf den Icefields Parkway und stoppen ständig: erst der Blick zum Crowfoot Glacier, dann der steile Weg hinauf zum Peyto Lake. Später rauscht Wasser durch den Mistaya Canyon. Am Columbia Icefield knirscht Eis unter den Stiefeln, bevor der Highway uns bis nach Jasper zieht.

Icefields Parkway Peyto Lake Mistaya Canyon Columbia Icefield Athabasca Glacier Jasper

Route – hier waren wir unterwegs

GPX-Karte 2006-06-25-12h-icefields-parkway-peyto-lake-canyons-und-columbia-icefield
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Reisebericht

Blick entlang des Icefields Parkway

Auf dem Icefields Parkway

Den Rest des Tages widmen wir uns dem Icefields Parkway, dem höchsten Pass-Highway auf dem Kontinent Amerika, der sich zwischen Banff (beziehungsweise Lake Louise) und Jasper erstreckt. Hier gibt es diverse Sehenswürdigkeiten, die wir zum Großteil anfahren wollen. Highlight am heutigen Tag ist das Columbia Icefield, später mehr dazu. Wir rollen los mit dem Gefühl, dass hinter jeder Kurve schon der nächste Stopp wartet. Genau diese Abfolge aus Fahren, Anhalten und Staunen macht die Strecke so intensiv.

Unser erstes Ziel ist der Crowfoot Glacier. Ein Gletscher, der vor einigen Jahrhunderten “wohl so ausgesehen hat, wie eine Kralle einer Krähe” (Crowfoot). Wieder der Whiskey… Im Laufe der Zeit bildet sich der Gletscher aber zurück, und nun ist kein Krähenfuß mehr zu erkennen. Das Eis, das wir sehen, wirkt auf die Distanz sehr, sehr klein. Ich hätte es auf 5–10 m Dicke geschätzt, aber das ist anscheinend eine Täuschung.

Crowfoot Glacier aus der Entfernung

Im Text zum Gletscher steht, dass dieser circa 50 m dick ist. Optische Täuschung beziehungsweise Fehleinschätzung, sage ich da mal. Im Übrigen kann ein Gletscher mit 5 m Dicke vermutlich auch gar nicht funktionieren. Der taut doch sofort weg…

Bow Pass und der Aufstieg zum Peyto Lake

Ein wenig nördlich liegen dann der Bow Pass (höchste Stelle auf dem Parkway) und der Peyto Lake. Ein unwirklich aussehender See, so blau schimmert das Wasser. Dort marschieren wir zunächst eine kleine Rundtour, die uns zum Fuß eines Berges führt. Ich wundere mich die ganze Zeit, wo denn die ganzen Leute aus den Bussen hin sind, hier sind sie anscheinend nicht. Nun gut, ich bin schon ganz schön platt von den Wanderungen an den Vortagen, dennoch fasse ich mir ein Herz und gehe den Weg hinauf, um gegebenenfalls auf den See zu schauen. Aber ich muss immer höher und höher, bis in die alpine Region, wo keine Bäume mehr wachsen, und dann noch 30 m höher, um über diese hinweg zu schauen.

Peyto Lake am Bow Pass
Aufstieg zur Aussicht oberhalb des Peyto Lake

Mein Herz kommt dabei ganz schön ins Rasen, denn Sabrina verspreche ich, so etwas mit ihr nicht zu machen, also jogge ich hoch. Bis mir “schwarz vor Augen wird” (mir wird nicht wirklich schwarz, aber das sagt man doch so), dann gehe ich weiter. Aber es lohnt sich. Der Anblick von oben ist so genial: erst das alpine Nichts, dann Nadelwälder und mitten drin ein türkis-blau schimmernder See. Ich bleibe einen Moment stehen und schaue einfach nur, weil sich das Bild nicht sofort “erklären” lässt, sondern nur wirkt.

Aussicht auf den türkisblauen Peyto Lake
Peyto Lake Blick von oben mit Nadelwäldern

Beim Abstieg nach circa 15 Minuten treffe ich Sabrina wieder, sie kommt mir auf halbem Weg entgegen, denn sie wird von Mücken den Weg hinaufgejagt. So genießen wir gemeinsam noch ein wenig den Blick. Weiter den Berg hinunter hören wir auf einmal Stimmen, viele Stimmen. Und dann finden wir auch eine Aussichtsplattform, auf der sich die 13 Busladungen Menschen wiedergefunden haben. Von hier ist der Ausblick auch schön, das liegt anscheinend am See, aber längst nicht so schön wie der nach dem hart erkämpften Aufstieg.

Mistaya Canyon, Saskatchewan Crossing und Columbia Icefield

Ein wenig später kommt auch schon der Mistaya Canyon. Ein wilder Fluss schlägt hier einen Canyon in die Rockies, der fast schon unter der Oberfläche liegt. Was wir sehen können, sind Wasserfälle und der Beginn des Canyons, der sich durch den Stein fräst. Und das Wasser arbeitet immer weiter. Oberhalb der Wasserfälle ist der Fluss schon recht reißend, sodass viele kleine Steine mitgerissen werden, die den Canyon immer weiter prägen. Das sieht alles sehr spektakulär aus, weil man dem Prozess zuschauen kann, wie sich die Landschaft verändert.

Saskatchewan Crossing mit Fluss und Station

Wenige Kilometer weiter liegt auch schon das Saskatchewan Crossing. Die einzige große Kreuzung auf diesem Highway, an der sich auch der Saskatchewan River auf den Weg Richtung gleichnamiges Bundesland macht. Hier gibt es eine Tankstelle, die wir nach circa 100 km noch nicht brauchen, und einen Saloon, in dem wir schön zu Mittag essen. Als kleine Stärkung für den Rest unserer heutigen Expedition. Etwas weiter die Straße hinunter kommen verschiedene Anhöhen, und wir haben wundervolle Blicke auf das Tal und die Flüsse darin. Schon kurz darauf liegt die Grenze zwischen Banff Nationalpark und Jasper Nationalpark vor uns, sowie das Columbia Icefield, unser nächster Stopp.

Columbia Icefield mit Athabasca Glacier

Das Icefield ist ein gigantisches Eisfeld (ähnlich einem Gletscher) mit Ausmaßen wie die Stadt Vancouver oder Seattle beziehungsweise 95-mal der Central Park in New York. Direkt unter dem Icefield schließt der Athabasca Glacier an. Die Attraktion hier sind die Ice Explorer. Irgendwelche “Busse” mit immens großen Reifen, die auf dem Gletscher fahren können. Leider fahren wir nicht ganz auf das Icefield drauf, zu gefährlich wegen Gletscherspalten und ähnlichem, sondern nur auf den Gletscher an sich. Hier verrät uns der Fahrer, dass wir etwas von dem Wasser probieren sollen, mit das klarste Wasser der Welt. Und Frauen werden über Nacht dann 10 Jahre jünger, bei Männern passiert das leider nicht.

Ice Explorer auf dem Athabasca Glacier

Unser Ice-Explorer-Fahrer ist mal echt cool und erzählt sehr viel. Er setzt uns dann oben aus, und wir dürfen ein wenig auf dem Gletscher herumrennen, der an dieser Stelle 300 m dick ist. Wir kommen den Empfehlungen unseres Fahrers nach und trinken von dem Wasser, ich habe eh einen Brand wie eine Bergziege. Dabei friert mir fast der kleine rechte Finger ab, verdammt ist Gletscherwasser kalt. Sabrina probiert das auch, und zum Glück bleibt alles beim Alten. Auf dem Weg zurück überwinden wir dann wieder die 18-prozentige Steigung, die unser “Bus” sehr gut handhabt, dafür ist er ja auch konstruiert.

Auf dem Gletscher: Eis und Schmelzwasser
Fahrt mit dem Ice Explorer am Hang

Dabei erklärt unser Fahrer “Eric” noch ein wenig, was es mit der Triple Divide auf sich hat. Dabei verstehe ich dann auch, was eine Great Divide ist. Aaaalso: Eine Great Divide ist eine Berglandschaft, die einen Kontinent beziehungsweise einen Landstrich so teilt, dass sich das Wasser oben auf diesem Berg entscheiden kann, ob es “rechts oder links” runterläuft und dabei generell in zwei verschiedene Meere fließt. Und nun zur Triple Divide (triple = 3): Hier hat das Wasser drei Meere zur Auswahl. Und der eine Gletscher hier neben dem Icefield ist genau so eine Triple Divide (und zwar die einzige weltweit). Hier kann das Wasser in den Pazifischen Ozean nach Westen, in den Atlantischen Ozean nach Osten oder in das Arktische Meer nach Norden fließen. Cool, was? Endlich verstehe auch ich, was die Great Divide in Australien war…

Erklärung zur Great Divide am Columbia Icefield
Hinweis zur Triple Divide nahe dem Icefield
Highway Richtung Norden mit Bergen

Nach diesem 1,5 Std.-Ausflug geht es dann immer weiter in Richtung Norden. Dabei fällt uns mal wieder auf, wie groß dieses Land ist. Ein Highway bis zum Horizont. Rechts und links nichts anderes als Berge und Wald. Irgendwann kommen wir dann zu den Sunwapta Falls und später dann zu den Athabasca Falls. Die sind beide auch sehr schön, aber nachdem wir ja die Takakkaw Falls (intern bei uns die Chakalacka Falls genannt, sowie der echt stückige Maggie Ketchup) nun kennen, wirken sie doch irgendwie auch unspektakulär.

Straße durch die Rockies: rechts und links Wald
Wasserfallstopp auf dem Weg nach Jasper

Nach 230 km Highway mitten durch die Rockies kommen wir dann endlich in Jasper an. Unsere nächste Mission: Motel-Suche. Nach den letzten Wasserfällen rollen wir in Jasper ein, und aus “Scenic Stops” wird ganz schnell “Unterkunft finden, essen, und noch etwas Verrücktes am Abend”.


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