Bow Valley Parkway: Lake Louise bis Banff

Bow Valley Parkway: Lake Louise bis Banff

Bow Valley Parkway: Lake Louise bis Banff
Sa, 24.06. Vormittag

Kurz nach dem frühen Aufbruch in Lake Louise wirkt der Bow Valley Parkway wie eine ruhigere Alternative zur Canada 1. An Viewpoints und am seltsam benannten "Castle" ist die Landschaft großartig. Spätestens im Johnston Canyon kippt es: Gedränge, Tempo und Rücksicht bestimmen den Tag.

Lake Louise Bow Valley Parkway Bow River Johnston Canyon Banff National Park

Route – hier waren wir unterwegs

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Reisebericht

Früher Start und Lake Louise

Guten Morgen! 7:00, der Wecker klingelt, und wir sind beide noch ziemlich platt. Trotzdem schlafen wir nicht mehr ein, also gewöhnen wir uns langsam an das Licht, das ins Schlafzimmer fällt. Mit einem Kaffee starten wir in den Tag, und ja: Ingo schreibt nach einer 4-Tages-Pause wieder. Es fühlt sich an, als müssten Kopf und Körper erst einmal hochfahren. Aber wir wollen los, bevor der Tag richtig laut wird.

Früher Start in den Tag

Der Plan steht klar: Wir fahren den Bow Valley Parkway Richtung Banff Town, mit ein paar Zwischenstopps. Danach wollen wir durch die Stadt schlendern, anschließend auf den Sulphur Mountain und zum Schluss in die Hot Springs. Am Abend reizt uns noch einmal der Parkway in der Dämmerung, weil wir gern ein bisschen Wild-Life sehen wollen. Es ist einer dieser Tage, an denen wir viel vorhaben und trotzdem hoffen, zwischendurch Ruhe zu finden. Genau dieses Spannungsfeld begleitet uns dann auch.

Nach einem kurzen Frühstück geht es Richtung Lake Louise, um noch ein paar Informationen abzugreifen. Um Punkt 9:00 sind wir dort und strömen mit der Masse hinein. Leider läuft das Warten nicht nach dem amerikanischen System mit einer Schlange für alle Schalter, sondern es wird gedrängelt und vorgedrängelt. Einige Leute sind dabei erstaunlich dreist, ganz nach dem Motto: Hauptsache ich. Irgendwann sind wir dran, doch die Frau am Schalter wirkt, als hätte sie auf gar nichts Lust. Vielleicht drücke ich mich nicht perfekt aus, aber mehr als „Yes“ und „No“ wäre schon hilfreich, und so ist die ganze Aufregung am Ende komplett umsonst.

Unterwegs in Lake Louise

Weil wir ohnehin in dieser „Mall“ mit den vielen Geschäften stehen, gehen wir direkt frühstücken. Sabrina lässt sich ein Ei mit Toast machen, und ich bleibe bei einem irischen Kaffee. Der ist wirklich lecker und schmeckt ein wenig nach Mint und Creme. Wir halten uns nicht lange auf, denn wir wollen raus aus dem Trubel und rein in die Landschaft. Also geht es weiter, rauf auf den Bow Valley Parkway.

Bow Valley Parkway: Viewpoints und „Castle“

Dieser „Parkway“ ist so etwas wie ein Highway in klein, bei uns würde man es wohl eine schlechte Landstraße nennen. Er liegt parallel zum Canada 1, dem Ost-West-Highway quer durchs Land, der ebenfalls durch den Banff Nationalpark führt. Die Straße hier ist kleiner und schöner, und an ihr liegen die verschiedensten Sehenswürdigkeiten. Dazu zählt später auch der Johnston Canyon, aber erst einmal genießen wir, dass es hier weniger hektisch wirkt. Genau das ist heute unser Hoffnungsträger.

Nach etwa 10 km kommt der erste Viewpoint, ein Aussichtspunkt, und der ist wirklich phänomenal.

Aussichtspunkt am Bow River mit Rocky Mountains

Vorne liegt der Bow River, der das Tal formt, und hinten stehen die Rocky Mountains mit dem Valley of Ten Peaks. Die Sonne steht schon hoch am superblauen Himmel und fällt ins Tal. Der Anblick ist klar, hell und fast schon zu perfekt. Für ein paar Minuten ist alles einfach nur groß. Genau wegen solcher Momente nehmen wir die frühen Starts in Kauf.

Ein Stück weiter im Tal liegt „The Castle“, eine Bergformation, die wie ein Schloss aussehen soll.

Felsformation The Castle am Bow Valley Parkway

Für uns ist das wieder ein Beispiel dafür, wie Namen manchmal Erwartungen wecken, die der Blick vor Ort nicht erfüllt. Wir fragen uns ernsthaft, wie jemand hier ein „Schloss“ erkennt, selbst mit sehr viel Fantasie. Vielleicht liegt es daran, dass solche Benennungen nicht von gestern sind, sondern vor sehr langer Zeit entstanden. Und damals hat man vermutlich auch gern mal großzügig interpretiert. Kurzform: Da gibt es Felsen, die „The Castle“ heißen, und wir erkennen beim besten Willen kein Schloss.

Johnston Canyon: Wasserfälle und Menschenmassen

Unser nächstes Ziel ist der Johnston Canyon, ein Tal, das der Johnston River geformt hat. Es gibt dort drei wesentliche Ziele: die unteren und oberen Wasserfälle und danach die „Ink Pots“, also kleine Seen, in denen sich das Wasser für die Fälle sammelt. Im Lonely Planet steht bereits, dass dies der „beliebteste“ Weg ist. Bis zu den unteren Wasserfällen führt ein rollstuhltauglicher, asphaltierter Weg, und danach geht es zu den oberen Fällen über Treppen weiter. Zu den Ink Pots sind es noch einmal 60 Minuten extra, jeweils pro Richtung.

Startpunkt am Johnston Canyon

Das klingt erst einmal richtig gut, nur eben nicht nur für uns. Vor Ort wirkt es, als hätten unzählige Busse Besucherinnen und Besucher abgesetzt, die in größeren Gruppen unterwegs sind. Und sie gehen nicht zu den Falls, sie schlendern. Das Tempo ist so langsam, dass wir kaum vorankommen, obwohl der Weg eigentlich nur 20 Minuten bis zu den unteren Wasserfällen braucht. An sich ist das nicht schlimm, aber die Stimmung zwischen den Leuten ist anstrengender, als wir es von den Tagen zuvor kennen. Dort klettern wir auf Berge, treffen vereinzelt mal ein Pärchen, sagen „Hallo“, tauschen kurz etwas zur Strecke aus und gehen weiter.

Viele Besucher auf dem Weg zu den Wasserfällen

Hier ist es anders: Es wird stehen geblieben, blockiert, gedrängelt und selten Rücksicht genommen. Ich will sicher nicht mit jeder Person Smalltalk machen, aber ein kurzes „Danke“ wäre fair, wenn man gerade ewig wartet, damit andere sicher vorbeikommen. Oft geht es nicht einmal um Geschwindigkeit, sondern um Aufmerksamkeit, Blickkontakt und ein bisschen Platz lassen. Stattdessen fühlt es sich an, als würde jede und jeder nur den eigenen Takt durchdrücken. Genau das sind für mich diese „touristischen Touristen“, die den Ort stärker prägen als die Natur.

Die Falls sind zwar schön, aber sie können diesen Beigeschmack durch die Menschenmassen nicht wegschieben. Schade, weil der Canyon eigentlich genug hergibt, um still zu werden und einfach zu schauen. Stattdessen ist es laut, eng und hektisch, auch wenn alle langsamer gehen. Wir merken, wie schnell sich der Fokus verschiebt: weg vom Wasser, hin zu Verhalten, Tempo und Geduld. Am Ende bleibt weniger „Wow“ als erwartet. Und genau das ärgert uns mehr, als es sollte.

Stege und Wege im Johnston Canyon
Wasserfälle im Johnston Canyon

Raus aus dem Strom: weiter nach Banff

Nach dem Canyon und dem ganzen Trubel wollen wir nur noch eins: raus aus dem Strom und rein nach Banff. Wir hoffen, dass sich die Stimmung unterwegs wieder fängt, wenn der Weg nicht mehr so voll ist. Der Bow Valley Parkway hat uns am Morgen gezeigt, wie gut sich Ruhe anfühlen kann. Jetzt wollen wir dieses Gefühl zurückholen,


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