Anfahrt bis zur Sperre

Nach ein paar scharfen Kurven und etlichen Metern Höhenunterschied sind wir fast am Aussichtspunkt, doch dann ist Schluss. Auf dem letzten Stück liegt noch Schnee, und die Ordnungshüter lassen keine Autos mehr durch. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als die letzten 3 km zu Fuß zu gehen. Das klingt im ersten Moment machbar, denke ich, bis mir die Höhenmeter zeigen, wie schnell einem die Luft ausgeht. Ingo erklärt mir, dass das völlig normal ist, während ich meine Hechelattacken noch nicht einordnen kann. Ich finde, so unsportlich bin ich nun wirklich nicht.
Auch im Juni kann am Mount Revelstoke noch Schnee liegen. Rechne mit Straßensperrungen und nimm Schuhe mit gutem Profil mit, sonst wird selbst der Parkplatz zur Rutschpartie.
Drei Kilometer im Schnee

Wir kämpfen uns also die 3 km nach oben und sehen zwischendurch sogar Schnee auf der Straße, im Wald sowieso. Als wir endlich am Parkplatz ankommen, liegt dort ebenfalls alles voller Schnee. Wir rutschen über die Fläche, stapfen, schlittern und versuchen irgendwie, nicht ständig wegzugleiten. Und dann stellen wir fest, dass es noch weiter nach oben geht. Ich bin auf 180, weil mir der anstrengende Aufstieg, die rutschigen Schuhe und der Untergrund gleichzeitig zusetzen. Ich versuche, Ingo so zu nerven, dass er freiwillig umdreht, aber ich habe ihn unterschätzt. Stattdessen gibt er mir Tipps, wie ich besser über den Schnee rutschen und mich fortbewegen soll, als wäre das mein neues Hobby.

Oben: Panorama, Begegnungen und kleine Peinlichkeiten

Am Anfang des nächsten Anstiegs treffen wir vier Deutsche, zwei sind schon oben, zwei wollen auch noch hoch. Sie empfehlen uns den Weg mit einem Lächeln, obwohl es mühselig wird, und ich denke nur: Vielen Dank auch. Mir fällt dabei eine Szene ein, die ich nicht vergesse: Das ältere Paar begrüßt den Ranger unten am gesperrten Abschnitt mit “Jüten Taaaach, can we see ein Eisbär?”, und das ist wirklich die Krönung. Danach geht es für uns weiter, kletternd, rutschend, irgendwie alles gleichzeitig. Ingo läuft vorneweg, ich hinterher, und ich schimpfe Meter für Meter, bis die Wanderung endlich ein Ende hat. Und dann stehen wir oben, und der Ausblick ist schlicht großartig.

Wir sehen Berge in alle Himmelsrichtungen und filmen und fotografieren wie die Weltmeister. Es ist gigantisch, und für einen Moment ist jeder Ärger weg. Das einzige Manko ist ein anderer Deutscher, der ebenfalls alles knipsen will und uns ständig anspricht, während wir die Aussicht genießen. Er will eher wieder “rünterwärts”, wie er sagt, und ich muss mir ein Grinsen verkneifen. Ungünstig wird es, als ich beim Filmen laut frage: “Ist das hier der Osten?” Natürlich steht der junge Mann direkt neben uns. Ingo findet das total unangenehm, und ich begreife erst später, warum.

Rückweg, Knie und Ankunft am Auto

Durch die Schneemassen kommen wir nur langsam voran, und Ingo rutscht zweimal aus, einmal glimpflich, einmal deutlich heftiger. Deshalb wird auch unser gemeinsames Foto mit Selbstauslöser anders als geplant: Ich lache, Ingo steht gekrümmt da, weil sein Knie im Schnee Bekanntschaft mit dem Boden gemacht hat. Das ist dann auch das Ende unserer Fotosession. Wir machen uns wieder auf den Weg nach unten, und der geht deutlich schneller, obwohl wir zwischendurch anhalten und sein Knie kühlen. Trotzdem sind wir erst gegen 15 Uhr wieder am Auto, erschöpft, aber zufrieden. Und es fühlt sich gut an, den Leuten, die den Aufstieg jetzt erst wagen, ein bisschen müde und gleichzeitig glücklich entgegenzukommen.







