Früh wach und los Richtung Victoria
Diesmal sind wir schon um 5 Uhr morgens wach und können nicht mehr schlafen. Der Zeitunterschied lässt grüßen, also zögern wir nicht lange und brechen ziemlich schnell auf. Es geht Richtung Victoria, der Hauptstadt von British Columbia. Zuallererst müssen wir tanken, und ein netter älterer Mann an der Tankstelle übernimmt einfach alles. Ich reiche nur Ingos Kreditkarte aus dem Fenster, und Ingo bewegt sich kurz zum Unterschreiben. Der Service ist ungewohnt, aber angenehm, und wir sind beide ziemlich baff.
Ohne große Stopps fahren wir durch und sind schon kurz nach 8 Uhr da. Parkplätze gibt es noch massig, und wir bekommen sogar einen Sonderpreis: den “Early Bird”-Preis. Frei nach dem Sprichwort: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Da lohnt sich der Jetlag direkt mal. Wir steigen aus, strecken uns kurz und fühlen uns überraschend fit.

Erste Schritte: Tourist Info und Walking Tour
In Victoria angekommen, laufen wir erst einmal ein bisschen herum und lassen uns im Tourist Information Center beraten. In wenigen Stunden wollen wir so viel wie möglich sehen, Whale Watching ist aber ausgeschlossen. Der Typ im Office ist sichtlich erstaunt, als wir von ungefähr 6 Stunden sprechen. Trotzdem ist er super hilfreich und drückt uns eine kleine Broschüre mit mehreren 1-stündigen Walking-Tours in die Hand. Das ist richtig nett aufbereitet und klingt genau nach unserem Tempo.

Wir entscheiden uns für die Stadt-Tour und marschieren los. Schon nach ein paar Metern weichen wir allerdings von der vorgeschriebenen Route ab und nehmen lieber die Seitenstraßen. Das fühlt sich sofort nach Entdecken an, und wir bleiben öfter stehen, als es die Route vermutlich vorgesehen hat. Genau so mögen wir das: nicht zu streng, aber mit Richtung. Und als wir um die Ecke biegen, wartet schon die erste Belohnung.
Frühstück, Buchladen und Chinatown-Moment
Wir stoßen auf ein kleines Café und frühstücken erst einmal. Es gibt Toast, Spiegeleier, Bacon, Omelett, und es schmeckt einfach großartig. Die Bedienung ist unglaublich freundlich und schenkt Ingo bestimmt dreimal Kaffee nach. Nebenbei empfiehlt sie uns sogar einen Buchladen, in dem wir noch ein Buch aus der Reihe “Lonely Planet” kaufen können. Die Reihe hat uns schon in Australien viel Freude bereitet, also ist das schnell entschieden.


Kaum sind wir fertig, geht es weiter, diesmal wieder eher nach der Route. Wir laufen zweimal im Kreis, und ich glaube, Ingo als mein Führer verläuft sich ein wenig. Er sagt natürlich, das sei so geplant. Danach landen wir wieder in der Stadt und steuern den besagten Buchladen an. In Chinatown passiert dann ein Moment, der uns kurz den Puls hochjagt: Ein junger Ladenbesitzer stößt aus Versehen gegen Ingo. Ingo erschrickt so sehr, dass er ihn im ersten Reflex für einen Dieb hält, ziemlich schroff spricht und an seinen Rucksack greift. “Mann Mann Mann”, ich weiß plötzlich wieder sehr genau, wie sich Adrenalin anfühlt.

Empress-Garten, Strand und Rückweg
Zurück beim Stadt-Walk stolpern wir über eine deutsche Bäckerei, oder eher: wir kommen daran vorbei und bleiben automatisch hängen. Vollkornbrot, Semmeln, und noch viel mehr, das sieht alles richtig gut aus. Die haben hier vermutlich ausgesorgt. Kurz darauf sind wir wieder am Tourist Information Center, direkt beim teuersten Hotel in Victoria, dem “The Empress”. Wir setzen uns in den kleinen Rosengarten vorm Hotel und genießen die ersten Sonnenstrahlen. Für Sabrinas Nase ist es leider etwas zu viel, die sieht am Abend ungefähr so aus wie nach unserem sonnigen Skierlebnis in Hintertux.


Danach geht es weiter: Walk Nummer 2 führt uns Richtung Strand. Wir schlendern die Straßen entlang und merken, wie die Energie langsam nachlässt. Als wir endlich am Strand ankommen, ist das sofort die perfekte Entschädigung. Es geht ein bisschen bergauf, arme Sabrina, aber der Blick macht alles wett. Wir werfen uns direkt ins satte Gras und lassen uns erst einmal 15 min lang von der Sonne bescheinen. Vor uns liegt das Meer, und darauf tummeln sich unzählige Schiffe: groß, klein, schnell, langsam, alles ist dabei.

Wir laufen noch ein Stück am Strand entlang und machen uns dann wieder auf den Rückweg. Zurück geht es quer durch einen netten Park, dessen Namen ich nachschauen müsste, irgendwas mit B. Auf jeden Fall ist es richtig schön und fühlt sich nach einem runden Abschluss an. Der Tag ist früh gestartet, aber genau das macht ihn so besonders. Und während wir wieder Richtung Ausgangspunkt gehen, denke ich: Victoria kann in wenigen Stunden erstaunlich viel erzählen.




