Die Anreise nach Vancouver: München, Heathrow, YVR

Die Anreise nach Vancouver: München, Heathrow, YVR

Die Anreise nach Vancouver: München, Heathrow, YVR
Do, 15.06. Mittag

Frühstart, Flugchaos, Koffeinschub – und dieses Gefühl, dass der Urlaub beginnt, noch bevor man den Himmel überhaupt erreicht. Zwei müde Köpfe, ein weiter Weg und der erste kleine Wow-Moment in Vancouver.

München London Heathrow Boeing 747-400 British Airways Vancouver

Route – hier waren wir unterwegs

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Reisebericht

Frühstart in München

Der Wecker klingelt, eigentlich sollte es 5:00 sein. Doch alle Uhren zeigen 4:00. Das ist der perfekte Moment, in dem man merkt: Der Abend war lang. Wenn man spät noch Fußball schaut, grillt und ein paar Bier trinkt, verschwimmen Zahlen und Prioritäten. Hauptsache: Aufwachen.

Apropos “Hauptsache”: Hauptsache Deutschland gewinnt ab dem übernächsten Spiel noch drei Mal und kommt ins “Finaaaaaaaaale, oh ho ho hoooo”. Und falls ich das in 29 Tagen noch einmal lese und mich wundere: Deutschland ist nach dem zweiten Vorrundenspiel weiter, 1:0 gegen Polen. Aber genug davon. Wir sind schließlich nach Kanada unterwegs, um bei gefühlten 28 Grad Sonne den Westen anzuschauen, nicht um Fußball zu kommentieren.

Früher Morgen am Flughafen München

Es ist also 4:00, und nach einem kurzen Wutanfall und ein paar genervten Kommentaren stelle ich den Wecker auf 4:45. Wir dösen noch ein wenig, dann geht es unter die Dusche und der Tag startet erstaunlich gut. Beim Taxi-Service hat die Dame am Telefon beste Laune und amüsiert sich über “M-e-i-r-o-n-k-e”. Sie findet den Namen “niedlich”. Ich wiederhole ihn mit einem scharfen R und einem noch härteren K, aber sie bleibt dabei und sagt, so würde sie ihre Katze nennen.

Umstieg in Heathrow

Die Taxibestellung klappt, wir sind überpünktlich am Flughafen und Terminal 1 ist so leer wie selten. Alles ist entspannt, nur beim ersten Flug nach London Heathrow bekommen wir keine Plätze mehr zusammen. Wir sitzen beide in der Mitte, getrennt voneinander. Das wirkt halb so wild, denn der Flug fühlt sich nach “nur kurz” an. Erst in der Luft wird klar: London liegt in GMT, nicht in CET. Damit sind wir nicht eine, sondern zwei Stunden unterwegs.

Wir haben beide nette Gesprächspartner, aber ich habe keine Lust auf Smalltalk. Ich falle nach dem Rollen zur Startbahn und noch vor dem Start in ein Halbkoma. Ich wache erst wieder auf, als Holland längst hinter uns liegt. In Heathrow steht dann Mission Nummer eins an: Wir müssen unseren sehr gesprächsfreudigen Sitznachbarn freundlich klar machen, dass wir die nächsten fünf Stunden lieber zu zweit verbringen. Ich bin nicht in Stimmung, fünf Stunden zu reden, zu denken und weiterzureden.

Umstieg und Wartezeit in London Heathrow

Nach gefühlter Ewigkeit und ziemlich genau 3 Stunden 49 Minuten, zwei Caffè Latte und einem Red Bull später passiert endlich etwas: Die Gate-Nummer erscheint. Es wird auch Zeit, denn bis zum Boarding bleiben nur noch 37 Minuten. Je nachdem, wo man in Terminal 4 steht, sind es gut und gerne 25 Minuten Fußweg. Mit ausreichend Koffein im System sind wir schnell dort und plötzlich ist die Laune wieder da.

Jumbo Richtung Vancouver

Kaum am Gate angekommen, freut sich Sabrina wie ein kleines Kind. Wir fliegen mit einem “Jumbo-Jet”, einer Boeing 747-400 mit dem Buckel vorne. Dank meiner frühen Sitzplatzreservierung auf der British-Airways-Homepage sitzen wir außerdem richtig gut. Normalerweise ist das eine 3-4-3-Bestuhlung. Doch ganz hinten ist es eine 2-4-2, und wir haben einen Zweierblock für uns allein. Besser kann man in so einen langen Flug nicht starten.

Boeing 747-400: Zweierreihe weit hinten

Der Start ist okay, die ersten Stunden auch. Trotzdem merken wir: Wir sind seit 9 Stunden auf den Beinen und jetzt liegen noch 10 Stunden Flug vor uns. Sabrina schläft irgendwann weg, als wäre das alles kein Thema. Bei mir schlägt der ganze Koffein nach und hält mich wach. Ich schaue einen Film, der mich überhaupt nicht abholt: “Brokeback Mountain”. Danach lese ich in “Ein Jahr in ‘La Merde’”, ein Buch über einen Engländer, der ein Jahr in Paris lebt, und das passt, weil wir gerade erst dort waren.

Ankunft in Kanada

Irgendwann werden aus Stunden Minuten, und mein nächstes Highlight wären die kanadischen Rockies. Leider liegen sie unter einer dicken Wolkendecke, sodass nur ahnen lässt, wie gewaltig das da unten ist. Ab da sind es “nur noch” 60 Minuten bis Vancouver, und plötzlich fühlt sich alles greifbar an. Als wir landen, sind wir sofort beeindruckt vom Personal. Es ist freundlich, ruhig, unkompliziert.

Die Fragen an der Immigration sind sachlich: Was machen wir hier, wohin geht es, besuchen wir Freunde. Und dann kommt dieser kleine Moment, der kurz in der Luft hängt. Der Officer fragt, ob wir Bekannte in Kanada haben. Ich sage “Yes”, und aus Sabrinas Mund kommt zeitgleich ein “No”. Bei ihm klingt das zusammen wohl wie ein “Yo”. Er schaut verdutzt, grinst und sagt: “OK, explain that!” Im Subtext: “Na los, jetzt will ich sehen, wie ihr da wieder rauskommt.”


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